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Fechtkunst

Wir betreiben Fechtkunst nach europäischer Tradition. Seid eingeladen die Fechtkunst und die Fechtschule kennenzulernen, auf einem Seminar oder im wöchentlichen Training.

 

Fechtkunst nach europäischer Tradition, was ist das denn?

Zeitungsartikel zur Fechtkunst, hier

 
Das Tagblatt Mühlacker war so freundlich einen Bericht über unsere traditionelle Sportart zu verfassen, vielen Dank!

Sport in rhytmischen Reimen


Rund 1,5 Kilogramm wiegen die stumpfen Schwerter, mit denen Michael Schüle (re.) und Ingo Litschka Kampftechniken des Mittelalters trainieren. Unter der Bezeichnung „Historische Fechtkunst“ entsteht eine alte Sportart neu, die mittlerweile erste internationale Turniere austrägt. Foto: Eigner
Rund 1,5 Kilogramm wiegen die stumpfen Schwerter, mit denen Michael Schüle (re.) und Ingo Litschka Kampftechniken des Mittelalters trainieren. Unter der Bezeichnung „Historische Fechtkunst“ entsteht eine alte Sportart neu, die mittlerweile erste internationale Turniere austrägt. Foto: Eigner
 
Historisches Fechten des Mittelalters erinnert auch an fernöstliche Kampfkunst – Ab morgen dreitägiges Schnupperseminar

Wer in diesem Sommer einen sonntäglichen Spaziergang zur Burg Löffelstelz unternimmt, sollte nicht allzu sehr erschrecken, wenn dort Männer mit langen Schwertern kämpfen. Seit Kurzem trainiert dort eine Gruppe, die eine uralte Sportart wieder zum Leben erweckt: das mittelalterliche Fechten.

Von Steffen-Michael Eigner

Mühlacker. Schon als Jugendlicher war Michael Schüle fasziniert vom Schwertkampf der mittelalterlichen Ritter. Als er bei einem Filmprojekt eines Freundes zu diesem Thema mitmachte, war für den heute 25-Jährigen klar: „Das will ich lernen.“ Mittlerweile ist Schüle, der in Mühlhausen/Enz und Großglattbach aufgewachsen ist, jetzt in Ludwigsburg lebt, schon zehn Jahre als Trainer tätig. Nun will er sein Hobby zum Beruf machen, hat dafür im Februar die Fechtkunst-Schule „Sieben Schwerter“ gegründet. Ganz ähnlich wie Schüle ging es seinem häufigen Trainingspartner Ingo Litschka: „Man kennt ein paar alte Ritterfilme, und bei Star Wars kloppen sie sich ja auch dauernd mit irgendwas. Da war ich irgendwann neugierig: Wie geht das denn eigentlich richtig?“

Aus verschnörkelten Versen rekonstruieren die modernen Kämpen uralte Kampftechniken

 Das herauszufinden, entpuppte sich für die beiden Kämpen als nicht eben einfach. Historische Quellen waren zwar schnell beschafft: „Die Museen sind da sehr zugänglich. Gegen ein paar Euro scannen die alte Dokumente ein und schicken sie uns per E-Mail.“ Kniffliger war schon eher, die alten Handschriften und verschnörkelten Drucke zu entziffern – und daraus schlau zu werden. „Mittlerweile kann ich ganz gut Mittelhochdeutsch lesen“, sagt Schüle und lacht. Auch die alten Zeichnungen in den Dokumenten helfen ihm und Litschka nicht immer auf Anhieb weiter.

 „Erstens sind das immer nur Momentaufnahmen eines ganzen Bewegungsablaufs, zweitens geben die Darstellungen oft die richtigen Körper-, Hand und Schwertstellungen nicht exakt wieder“, erklären die beiden Schwertkämpfer. Also haben Schüle und Litschka diverse historische Dokumente wie den Codex Wallerstein, ein Kampfkunst-Lehrbuch aus dem 15. Jahrhundert, zur Hand genommen und auf deren Basis ausprobiert, verfeinert, immer wieder Nuancen geändert, bis sie die effizienteste Form einer Fechtaktion herausgefunden hatten. „Manchmal ist es nur eine kleine Drehung am Schwertknauf, die am Ende den Drall gibt, um den Gegner zu überwinden“, erklärt Litschka.

 Und „überwinden“ ist genau der richtige Begriff dafür, die Vokabel stammt tatsächlich wie viele andere heute noch gebräuchliche Redewendungen aus dem ritterlichen Kampf. Denn so manche Aktion, die Schüle und Litschka zeigen, hat mit Hauen und Stechen wenig zu tun, erinnert stattdessen mehr an asiatische Kampfkunst wie Judo oder Aikido. Mit weichen, flüssigen Bewegungen haben die Ritter anno dazumal sich und ihre Schwerter umeinander gewunden, bis einer den anderen dabei buchstäblich „überwunden“ hatte. Nicht nur Kraft und Wucht, sondern oft auch die physikalischen Hebelgesetze haben so manches mittelalterliche Turnier entschieden.

 Als Hilfe bei der Rekonstruktion der alten Kampftechniken wie „Krumphau“, „Zwerchhau“, „Schrankhut“, „Ochs“ oder „Pflug“ erwies sich die Tatsache, dass viele der jahrhundertealten Beschreibungen in Reimen geschrieben sind. „Der Rhythmus der Verse gibt oft den Rhythmus der Bewegungsabläufe wieder“, so Schüle. „Das mittelalterliche Fechten war nicht statisch. Man muss – genau wie beim modernen Sportfechten – dauernd in Bewegung bleiben, immer im Fluss. Sonst verliert man.“
Auch die Sinnsprüche, mit denen die mittelalterlichen Schriften garniert sind, faszinieren ihn. „Erschrickst du gern, kein Fechten lern!“ zitiert Michael Schüle einen gut gemeinten Rat aus dem Codex Wallerstein. Sein Lieblingsspruch aber lautet: „Fertigkeit will das Fechten haben und fröhliches Gemüt tragen.“ Die Rittersleut seien eben keine groben Rohlinge gewesen, sondern zumeist gebildete Adlige, die das Leben zu genießen und mit Humor zu nehmen wussten. „Die ritterliche Ausbildung war früher auch eine Charakterschule. Das Fechten wurde als Kunst gesehen“, betont Schüle. Für den 25-Jährigen ist die Historische Fechtkunst, wie sich die junge alte Sportart mittlerweile offiziell nennt, deshalb „Brauchtumspflege, Kultur, Historie und Sport in einem“.

 Vor etwa einem Jahr wurde in Hannover das erste internationale Turnier der Neuzeit ausgetragen. Mit Maske, gepolsterter Schutzkleidung und Holzschwertern treten die modernen Kämpen zum sportlichen Wettkampf gegeneinander an. Fast wie noch vor gut 500 Jahren, ehe die Erfindung des Schießpulvers schwere Rüstungen überflüssig machte und deshalb der flinker zu führende Degen das Schwert als Fechtwaffe ablöste.
 Von morgen an veranstaltet Michael Schüle ein dreitägiges Schnupperseminar in Großglattbach. Um 17 Uhr geht es in der TSV-Halle los. Am Samstag und Sonntag dauert der Kurs jeweils von 10 Uhr bis zum frühen Abend. Auch beim „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September auf der Burg Löffelstelz will sich seine Fechtkunst-Schule „Sieben Schwerter“ präsentieren.

 www.sieben-schwerter.de
 

 

 

 

 

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